Mittwoch, 23. Mai 2012

Inseldasein

Während ich -mittlerweile zu Hause angekommen- versuche, Ordnung in mein Innenleben zu bekommen, landeten meine Gedanken auch bei meinem "Ich will eine Insel sein".

Kritische Sadie hört da natürlich nicht auf zu denken.
Darum fiel ihr auch etwas auf.

Kein Wunder, dass ich es mir nicht vorstellen kann, wie es ohne all das wäre. Ich war doch schon immer so.

Im Kindergarten war ich immer wieder selbst gewählter Einzelgänger. Ich machte, dass andere weggehen. Alleine war es sicherer.

In der Grundschule nahm ich mir vor, dass ich nach dem Wechsel zum Gymnasium in die Nachbarstadt dort keine Freunde haben möchte. Sie waren gefährlich.

In der 6. Klasse war mein größter Berufswunsch der, Sennerin zu werden. Eine Horde Kühe auf der Alm, eine Hütte und ich. Keine Menschen. Kühe waren ungefährlicher.

Später wollte ich Busfahrer oder Truckerin werden. Ganz für mich alleine.

Heute baue ich Mauern. Ziehe Telefonstecker und verschließe Türen.

Ich habe längst erkannt, dass ich auch als Insel nicht klar käme. Ich brauche Menschen um mich. Wer auch nicht. Trotzdem muss ich eine sein... zumindest fühlt es sich so an.

Ich habe mir natürlich auch Gedanken darüber gemacht, warum das so ist.

Klar ist, dass Menschen, die einem nahe sind, am gefährlichsten werden können. Sie werden sogar gefährlich, obwohl sie vielleicht sogar harmlos sind. Einfach nur, weil ich spinne.
Je näher jemand dran ist, desto heftiger ist der Schlag vor den Kopf. Logisch. Sogar dann, wenn gar nicht geschlagen wird und ich Dämliche einfach nur selbst in nen Ellenbogen oder was auch immer reingerannt bin.
Werden sie über alle Maßen gefährlich oder spinne ich ganz gewaltig, muss ich weg.
Weiter. In dem Moment, wo ich Telefonstecker ziehe, bestimme ich, dass ich keinen Kontakt will. Ich erspare mir das Hoffen und Warten darauf, dass sich jemand meldet, weil ich allen die Möglichkeiten dazu nehme.
Ich bin nicht mehr so ausgeliefert.
Die Enttäuschung ist nicht mehr so groß. Dabei sei mal ganz dahin gestellt, ob ich überhaupt einen Grund für diese habe.
Oder die Angst. Oder die Verletzung oder was auch immer gerade die treibende Kraft ist.
Noch weiter. Einfach um nicht vollends abzudrehen. Vor allem dann, wenn man keine Möglichkeit hat, sich zu erklären und noch besser dann, wenn man -durchgeknallt wie man mittlerweile eh schon ist- in dem Glauben ist, man kann es nur nicht, weil wer auch immer nicht will.
Risiko: Man kann vielleicht nie mehr zurück.

Weiter bin ich noch nicht, aber immerhin ein Anfang, mal in mir drin aufzuräumen.
Das wird nicht alles gewesen sein. Aber alles auf einmal will grad nicht.

Stadtgedanken

Manchmal frage ich mich, wie das wohl ist.

Wie würde es sein, wenn ich nicht ich wäre?
Wenn mein Kopf nicht tagtäglich so viel Misstrauen und so viele Dramen produzieren würde, die es ständig in Schach zu halten gilt.
Wenn ich keine fehlproduzierte Alarmanlage wäre?
Wenn nicht überall um mich rum alte Gespenster schwebten, die irgendwann so mächtig werden, dass man sie nicht mehr ignorieren kann.
Wenn nicht dieses dunkle Ding in mir wäre, das ich nicht loswerden kann wie es scheint.
Wenn alle Kontrolle für immer in meiner Hand läge.

Ich kann es mir gar nicht vorstellen. Kein Wunder also, das ich mildes Lächeln ernte.
Woher sollten andere Vorstellungen haben wenn ich doch auch keine habe.

Es stimmt, ich bin weit gekommen in den letzten Jahren. Aber ich muss noch weiter. Ich bin immer noch nicht weit genug.

In diesen Zeiten sitzt der Schock über mich selber tief. Nur weil etwas altbekannt ist, hat man sich noch lange nicht daran gewöhnt.
Aber ich WILL mich auch nicht daran gewöhnen.

Gerade sitze ich mitten in der Stadt. Alleine an belebten Plätzen zu sein verschafft Linderung. Unter Menschen sein und dennoch ohne jemanden in meine Nähe lassen zu müssen.
Es ist so herrlich leicht und ungefährlich hier.

Ich schaue mir die Menschen an, die an mir vorüber gehen. Schnappe hier und das einige zusammenhanglose Gesprächsfetzen auf. Blicke den Menschen in die Augen und versuche mir vorzustellen, wer sie sind und wie sie leben. Was sie erlebt haben. Ob sie glücklich sind und ahnungslos.
Oder kennen sie meine Welt und das wütende, innere Dunkel genau so gut?

Wenn ich könnte würde ich ewig hier sitzen bleiben. Ein schwächer Ersatz für die einsame Zelt- und Rucksacktour, die ich schon lange mal wieder bräuchte und die ich mir nicht leisten kann.

Ich versuche zufrieden zu sein. Ein schwacher Trost ist besser als keiner.

Die Sonne scheint.

...es war ein Stück vom Himmel, dass es dich gibt... II

Manchmal schaue ich in den Himmel und wünsche mir, ich würde sie dort oben sehen.
Ich wünsche mir die Erfüllung der schönen Version, die sagt, dass Menschen, die man geliebt hat, nach ihrem Tod dort oben sind und auf uns herab sehen.
Vielleicht sogar auf einer Wolke sitzend und Harfe spielend.

Ich schaue in den letzten Tagen so oft dort hoch... und ich finde sie dort einfach nicht.

Martina ist fort. Sie ist immer noch fort und ich kann sie nicht finden.
Ich kann sie nicht sehen.
Ich kann sie nicht hören.
Ich kann sie nicht besuchen.
Ich kann sie nicht anrufen.
Sie kommt nicht wieder und ich kann es immer noch nicht begreifen.
Es ist heute wie damals. Es hat sich nichts verändert.
Fassungslos schaue ich auf die Lücke, die an ihre Silhouette erinnert, und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als das sich ihre Leere wieder mit Leben füllt.
Aber sie bleibt einfach leer.

Was bleibt sind Erinnerungen und Orte, die uns verbanden. Beides stürzt mich in so tiefe Verzweiflung, dass ich das Gefühl habe, ich verliere den Verstand.

Bis heute war ich nicht an ihrem Grab. Ich habe Angst vor dem, was mit mir geschieht, wenn ich dort stehe.

Immer wieder kommen die Momente, in denen ich denke "Martina anrufen!".
Manchmal direkt gefolgt vom Erkennen der Unmöglichkeit und manchmal begleitet von dem tröstenden Wahn, ich müsste nur ihre Nummer wählen und sie würde abheben und mich zusammenfalten, weil ich so lange nicht dort war.
Aber irgendwann holt einen die Erkenntnis ein. So oder so.

Die äußere Welt steht schon lange nicht mehr still. Wahrscheinlich tat sie das nie. Sie folgt den Gesetzen des Universums und dreht sich wie eh und je. Ohne Rücksicht auf Einzelschicksale.
Meine Welt steht noch immer.

Ich wünsche mir meine Freundin zurück.

Sadiie

Irgendland im Nirgendwo

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