Dienstag, 11. Dezember 2007

Weihnachten oder was auch immer

Oh wei, da ist es ja schon fast wieder so weit. Ein neuerliches ach-wie-tolles Weihnachten steht vor der Tür.

Letztes Jahr hab ich es ganz erfolgreich geschafft, dieses ganze leidige Spektakel zu umgehen, indem ich im Krankenhaus lag und die Beurlaubung, die man mir für die Feiertage anbot, nicht annahm. Nur am 1. Feiertag drei Stunden, die ich dann doch beim alljährlichen Familienessen war - reichte dicke!

Ich mag Weihnachten nicht besonders. Merkt man kaum, oder? lach

Es kommt mir so heuchlerisch vor, dieses "Wir haben uns alle soooo lieb" zu spielen, obwohl alles gar nicht so ist, wie man es an diesem Tag scheinen lassen will.
Es ist ein unehrliches Fest. Da erwartet man von mir, dass ich lustig mit dem Freund meiner Ma zusammen am Tisch sitze, schwatze und gute Laune habe, und mal eben vergesse, dass ich nach seinen Worten doch eine Schlampe, miese Ratte und Scheißkuh bin. Nö, verzichte dankend!

Und überhaupt, man muss ja tunlichst mit jedem einer Meinung sein, damit keine Diskussion entsteht, aus der dann erst ein kleiner und dann ein großer Streit werden kann. Schließlich handelt es sich doch um das Fest der Liebe.

Diese ganze kommerzielle Nummer nervt mich auch. Die Fernsehsender zeigen ein supertolles neues Spielzeug nach dem anderen, die Kinder quengeln nur, dass sie dies und das und jenes zu einem horrenden Preis haben wollen, Kataloge erschlagen einen mit tollen und praktischen Dingen, die man seinen Liebsten schenken soll, und wenn man sie liebt, dann wird ihnen das dieser Preis wohl wert sein. Pfff, als ob es auf Geschenke ankommt, die eigentlich kein Mensch bezahlen kann!
Aber so etwas wird in den menschlichen Kopf einzuhämmern versucht, in den meisten Fällen auch mit Erfolg.
Doof dann nur, wenn so manch einer - und das sind nicht wenige - einfach gar kein Geld haben für diese Dinge.
Und wenn dann auch noch Kinder im Spiel sind, dann wird es ganz dramatisch.
"Mama, der und der hat eine Playstation 3 zu Weihnachten gekriegt, warum habe ich nur einen Pullover und einen Schlafanzug bekommen...?"
Es muss schwer sein, einem Kind zu erklären, dass man Weihnachten nicht an den Geschenken messen kann und darf, wo doch drumherum alles eine andere Sprache spricht. Es muss lernen zu verstehen, dass sein Weihnachten möglicherweise dem sehr viel wertvoller ist, aber das ist nicht ganz einfach.

Erschreckend finde ich übrigens auch, dass die ganze Dekoration von Jahr zu Jahr kitschiger zu werden scheint. Ich hab nichts gegen dezenten und netten Weihnachtsschmuck (solange er nicht bei mir zu finden ist) aber wo man auch hinblickt, immer häufiger leuchtet und blinkt es knallegrellebunt, als wäre man in Las Vegas und hat nicht mehr wirklich was mit festlicher Stimmung zu tun. Davon ab frage ich mich auch, was alle über den Stromverbrauch jammern, wenn die meisten zig Lichterketten und sonstwas überall verteilt habem. Ich habe noch niemanden getroffen, der die neuen supervielenergiesparenden Lichterketten benutzt.

Och nö, Weihnachten macht mir keinen Spaß. Abgesehen - ja eine Sache find ich richtig toll - von Heiligabend von dem Moment an, wo sich meine ganze riesige Verwandtschafr nebenan bei Oma und Opa trifft und alte Weihnachtslieder singt. Ja, das mag sogar ich ;-) Und darauf dreue ich mich schon sehr. Da findet man sich plötzlich fern von dem ganzen modernen Weihnachtstrubel wieder in einer Atmosphäre, wie Weihnachten meiner Meinung nach sein sollte und da wird dann sogar mir warm ums Herz.

Dies hier spiegelt nur meine Meinung wider und ist keinesfalls allgemeingültig, ganz wichtig. Über andere Ansichten würd ich mich freuen.

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Sadiie - 11. Dez, 23:41

Hoppla, da fällt mir ein, dass ich es auch 2005 ganz gut geschafft habe, mich von dem ganzen Weihnachtszeugs zurück zu ziehen.
Ende November verschwand ich nämlich für drei Monate in der Münster'schen Klinik und durfte nur mit Begleitung raus. Weil aber nicht immer jemand Lust hatte und mit Besuch auch nicht so viel war, weil 65 km weit weg, bekam ich von dem ganzen Trubel kaum was mit.
Wochenende durfte ich alleine raus, auch nach Hause fahren über Nacht, mit einem Vertrag in der Tasche, dass ich auch heil und am ganzen Stück wieder in der Klinik auftauche.
So also fuhr ich Heiligabend nach Hause und blieb auch über Nacht, musste aber am 1. Feiertag um 19 Uhr wieder in Münster sein, weil eine BE ja nur eine Nacht enthält. Am 2. Feiertag fuhr ich von Münster aus ins Ruhrgebiet, weil ich mich mit meiner Kerstin treffen wollte. Die sagte mir aber ganz kurzfristig ab und so fuhr ich dann mal ganz spontan zum Düsseldorfer Flughafen. War perfekt, ich setzte mich hin und guckte mir die Leute an, ich war mal wieder für mich alleine (oh ja, das kann einem in so einer Klinik ganz schön fehlen - sogar mir irgendwann!) und doch unter Menschen. Es war warm, die Geschäfte waren offen und luden zum bummeln ein... toll! Ganz ohne Ironie, ich fands echt schön dort. Und ich kaufte mir das erste Album von James Blunt. Discman hatte ich dabei, also konnte ich es sofort hören.

Am nächsten Tag, als wieder der übliche Therapie-Ablauf begann, wurden wir in der Abendrunde gefragt, wie denn die Feiertage so waren. Jeder guckte mich ganz groß an, als ich von Düsseldorf erzählte. Warum ich denn ausgerechner DA war, es gibt doch hier auch einen, hieß es.
Klar, den gab es, aber ich hatte nun halt schon das Geld bezahlt um ins Ruhrgebiet zu fahren. Kerstins Absage kam erst, als ich in Essen am Bahnhof stand und gerade umsteigen wollte. Da dachte ich mir, die Fahrt nach hier muss sich jetzt auch gelohnt haben.

Weil es sauig kalt war an diesem Tag (das war ja dieser fiese Winter, wo es in Münster vierlerorts keinen Strom mehr gab), wollte ich irgendwo hin, wo es warm ist und wo was los ist. Flughafen! Ist doch ganz logisch ;-)
Außerdem tat es mal ganz gut, Münster und der Klinik mal den Rücken zu kehren und die Freiheit zu genießen, ALLEINE irgendwohin zu dürfen!!
Lustigerweise brauchte ich tatsächlich beinahe 1 1/2 Stunden, um es gebacken zu kriegen, in den richtigen Zug zu steigen. Nicht, weil ich getrödelt hab oder so, nee, aber an diesem Tag schien ich mal wieder in andere Welten abgetaucht zu sein und ich hab nicht wirklich was mitbekommen dort am Bahnhof. Naja, was solls ;-)

Tja, und dieses Jahr hab ichs eben nicht geschafft, mich vor Weihnachten zu verstecken.

Sadiie

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