gone away
Von dem einen Gedankenkarussel abgesprungen, nur um direkt das nächste zu besteigen. Altbekannt und verhasst, aber die Anziehungskraft scheint enorm, warum sonst würde ich wieder drauf sitzen, obwohl ich doch gar nicht will?!
Du kamst von irgendwoher zurück. Philippos und ich waren bei dir. Dieses Lied lief und ich hörte es zum ersten mal. Es war nicht dein Tag, du hast später geweint und ich habe dir versichert, ich hätte dich auch lieb, wenn du mal scheiß Tage hast...
Wie die Zeit vergeht, wie schnell sie sich verändert, dabei ist es noch gar nicht lange her.
Gleiche Situation in der jetzigen Zeit - ich würde dich nicht in den Arm nehmen und ich würde dir nichts sagen können. Kein Streichen über den Kopf und kein Küsschen auf die Stirn. Ich säße dort und und täte so, als wäre ich nicht da. Oder ich würde gehen und dich dir selber überlassen.
Zu tief sitzt das, was passiert ist. Mein Vertrauen in dich kämpft ums Überleben, aber es sieht gerade gar nicht gut aus.
Ich hoffe, du hast Leute um dich, die dich auffangen, solltest du fallen. Ich bin nicht da.
Pass auf dich auf!!
Jenny
Sadiie - 19. Dez, 22:05
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Sadiie - 20. Dez, 01:06
Kälte frieren Tränen ein
So muss es wohl sein, sonst wären sie bei meiner Gassirunde eben in Sturzbächen geflossen... Habe ich doch eben jenen letzten Schritt getan, vor dem mir heute unter der Dusche so grauste.
Da wurde mir nämlich bewusst, wie nah ich uns an die Klippe bugsiert hab. Und dass ein Fehltritt von mir, ob nun gewollt oder ungewollt, das Ende bedeutet. Ich beschloss still zu stehen. Nichts mehr zu tun. War doch die Angst vor dem Ende auf einmal doch wieder stärker als alles andere. Und die Erinnerung an die schöne Zeit, die ich ebenfalls unwiederbringlich die Klippe hinunter gestoßen hätte...
Erst Sonntag noch saß ich im Saint mit meinem Handy und sah mir gleich zwei mal hintereinander unser Video auf der Autobahn an, mit der Kuh auf dem LKW *mittraurigenaugenvormichhinlächel*
Ich musste, weil ich mich nicht mehr erinnern konnte, wie es war bevor... bevor ich dein Bild nur noch mit bösen Augen und böser Stimme vor mir sah...
Plötzlich konnte ich mich erinnern.
Aber ich habe gelernt, dass sich der richtige Moment für die hoffentlich richtigen Dinge (ein Risiko ist immer dabei, man wird sich später immer fragen, was wäre wenn undsoweiter...) oft zu erkennen gibt - mal mehr und mal weniger deutlich. Heute Abend hat er mich mit voller Wucht über den Haufen gerannt.
Anuschka, wir sind frei!
Das Schlimme ist nur... lieb hab ich dich noch immer, und wie, aber... das muss ein Ende haben, meine äußerste Grenze hab ich erreicht und weiter kann ich nicht gehen und wenn das nicht reicht, dann muss ich alleine weiter gehen, in eine andere Richtung, ohne dich, auch wenn es weh tut, aber... auf Dauer wird es hoffentlich besser sein.
Ich habe Angst, dass du darin das siehst, was es nicht ist: ein Manipulationsvversuch meinerseits, dir Feuer unter'm Hintern zu machen, dir ein schlechtes Gewissen zu bereiten und dich so zurück zu holen... das ist es nicht, ich meine es wirklich ernst.
Dennoch hoffe ich nach wie vor auf ein Wunder... Hoffnung kriegt man einfach nicht tot, verdammt!!!
Dann wär es leichter...
Pass gut auf dich auf!
Dich lieb,
deine Jenny
Da wurde mir nämlich bewusst, wie nah ich uns an die Klippe bugsiert hab. Und dass ein Fehltritt von mir, ob nun gewollt oder ungewollt, das Ende bedeutet. Ich beschloss still zu stehen. Nichts mehr zu tun. War doch die Angst vor dem Ende auf einmal doch wieder stärker als alles andere. Und die Erinnerung an die schöne Zeit, die ich ebenfalls unwiederbringlich die Klippe hinunter gestoßen hätte...
Erst Sonntag noch saß ich im Saint mit meinem Handy und sah mir gleich zwei mal hintereinander unser Video auf der Autobahn an, mit der Kuh auf dem LKW *mittraurigenaugenvormichhinlächel*
Ich musste, weil ich mich nicht mehr erinnern konnte, wie es war bevor... bevor ich dein Bild nur noch mit bösen Augen und böser Stimme vor mir sah...
Plötzlich konnte ich mich erinnern.
Aber ich habe gelernt, dass sich der richtige Moment für die hoffentlich richtigen Dinge (ein Risiko ist immer dabei, man wird sich später immer fragen, was wäre wenn undsoweiter...) oft zu erkennen gibt - mal mehr und mal weniger deutlich. Heute Abend hat er mich mit voller Wucht über den Haufen gerannt.
Anuschka, wir sind frei!
Das Schlimme ist nur... lieb hab ich dich noch immer, und wie, aber... das muss ein Ende haben, meine äußerste Grenze hab ich erreicht und weiter kann ich nicht gehen und wenn das nicht reicht, dann muss ich alleine weiter gehen, in eine andere Richtung, ohne dich, auch wenn es weh tut, aber... auf Dauer wird es hoffentlich besser sein.
Ich habe Angst, dass du darin das siehst, was es nicht ist: ein Manipulationsvversuch meinerseits, dir Feuer unter'm Hintern zu machen, dir ein schlechtes Gewissen zu bereiten und dich so zurück zu holen... das ist es nicht, ich meine es wirklich ernst.
Dennoch hoffe ich nach wie vor auf ein Wunder... Hoffnung kriegt man einfach nicht tot, verdammt!!!
Dann wär es leichter...
Pass gut auf dich auf!
Dich lieb,
deine Jenny
Sun-ray - 20. Dez, 02:20
Du Süße - ich weiß ja, dass es mich gar nix angeht. Und auch nicht eben für feine Manieren spricht, wenn man sich ungefragt ins Eingemachte seiner Mitmenschen hängt, ganz im Gegenteil sogar ziemlich nach hinten losgehen kann. Lösch es einfach, wenn's zu vorwitzig ist, aber ich sag trotzdem was dazu.
Schon klar, dass einen Gedankenkarussels ganz schön mitreißen können. Irgendwann weiß man nicht mehr, was oben und was unten ist. Trotzdem ist in Wirklichkeit alles ganz einfach. Auch wenn man das beim Kreiseln gern vergisst.
Gestern oder so schriebst du über Hoffnung, als wäre sie Schirlingsbecher und es Zeichen von Besonnenheit, wenn du den stehenlässt, statt dran zu nippen. Ganz unter uns - so zu denken ist zwar verständlich, aber Murks. Hoffnung ist die Kraft, die uns dazu befähigt, auf dem Karussel an ein Nach-dem-Karussel zu denken. Es geht gar nicht um das, was man sich gegenseitig antut, nur darum, dass man daraus lernt. Und Lernen bedeutet nie resignierend stehenbleiben oder zurücklaufen, sondern dorthin gehen, wo Lösungen stattfinden.
Was ich heute morgen sagte: Alles trachtet danach, eins zu sein - im Sinne von ineinander greifen. Es gibt keinen Schmerz, den man sich nicht letztlich selbst zufügt. Klingt abgedreht, aber es ist so. Es sind immer die ureigenen Bedeutungen, die einen verletzt fühlen lassen. erwartungen, die man hat; Vorstellungen davon, wie Leben und Lieben funktionieren soll. Und die nimmst du überall hin mit. Insofern macht's nicht wirklich Sinn, mit Blick zurück davonzulaufen. Vorne ist da, wo es zu spürbarem Licht geht. Und alles, was uns widerfährt, gleichermaßen Erfahrung wie Herausforderung, das zu erkennen.
Unter dem Blickwinkel ist jegliches Drama, das man fühlt, nur Inzenierung. Wir allein entscheiden über das, was wir für real erklären. Und Schuld besteht nicht in eindeutigen Tätersymptomen, sondern in allererster Linie darin, sich unglücklich zu halten. Dafür gibt es keine Notwendigkeit - außer, wir beschließen solche.
Wenn man jemanden liebhat, dann bewegt man sich auf ihn zu - nicht von ihm weg. Das ist die natürliche Reaktion und nicht die, zu sagen: Ich hab dich lieb, darum höre ich auf zu hoffen. Manchmal hofft man auf das Falsche und übersieht dabei das Naheliegendste. Doch deshalb die Hoffnung für schuldig erklären, ist eindeutig Pferd-falsch-rum. Will man Gutes bewegen, statt ungut verharren, muss man nach dem richtigen Hebelpunkt suchen. Der ist die eigentliche Herausforderung.
Klarer krieg ich es mit übermüdeten Synapsen leider nicht mehr hin.
Nur Gutes dir! :-) (<--fölligfertigeslächeln)
Schon klar, dass einen Gedankenkarussels ganz schön mitreißen können. Irgendwann weiß man nicht mehr, was oben und was unten ist. Trotzdem ist in Wirklichkeit alles ganz einfach. Auch wenn man das beim Kreiseln gern vergisst.
Gestern oder so schriebst du über Hoffnung, als wäre sie Schirlingsbecher und es Zeichen von Besonnenheit, wenn du den stehenlässt, statt dran zu nippen. Ganz unter uns - so zu denken ist zwar verständlich, aber Murks. Hoffnung ist die Kraft, die uns dazu befähigt, auf dem Karussel an ein Nach-dem-Karussel zu denken. Es geht gar nicht um das, was man sich gegenseitig antut, nur darum, dass man daraus lernt. Und Lernen bedeutet nie resignierend stehenbleiben oder zurücklaufen, sondern dorthin gehen, wo Lösungen stattfinden.
Was ich heute morgen sagte: Alles trachtet danach, eins zu sein - im Sinne von ineinander greifen. Es gibt keinen Schmerz, den man sich nicht letztlich selbst zufügt. Klingt abgedreht, aber es ist so. Es sind immer die ureigenen Bedeutungen, die einen verletzt fühlen lassen. erwartungen, die man hat; Vorstellungen davon, wie Leben und Lieben funktionieren soll. Und die nimmst du überall hin mit. Insofern macht's nicht wirklich Sinn, mit Blick zurück davonzulaufen. Vorne ist da, wo es zu spürbarem Licht geht. Und alles, was uns widerfährt, gleichermaßen Erfahrung wie Herausforderung, das zu erkennen.
Unter dem Blickwinkel ist jegliches Drama, das man fühlt, nur Inzenierung. Wir allein entscheiden über das, was wir für real erklären. Und Schuld besteht nicht in eindeutigen Tätersymptomen, sondern in allererster Linie darin, sich unglücklich zu halten. Dafür gibt es keine Notwendigkeit - außer, wir beschließen solche.
Wenn man jemanden liebhat, dann bewegt man sich auf ihn zu - nicht von ihm weg. Das ist die natürliche Reaktion und nicht die, zu sagen: Ich hab dich lieb, darum höre ich auf zu hoffen. Manchmal hofft man auf das Falsche und übersieht dabei das Naheliegendste. Doch deshalb die Hoffnung für schuldig erklären, ist eindeutig Pferd-falsch-rum. Will man Gutes bewegen, statt ungut verharren, muss man nach dem richtigen Hebelpunkt suchen. Der ist die eigentliche Herausforderung.
Klarer krieg ich es mit übermüdeten Synapsen leider nicht mehr hin.
Nur Gutes dir! :-) (<--fölligfertigeslächeln)
Sadiie - 20. Dez, 03:07
Oh wei, ich wollte deine Synapsen mit meinem komischen Hoffnungs-Chaos nicht überstrapazieren...
Liebe sun-ray, auch nur kurz für's erste, weil auch mein Bett so langsam ruft:
Kein einziges Wort werd ich löschen und nix geht nach hinten los, nein. Viel mehr bin ich dankbar für neuen Denkstoff, weil ichs so rum noch gar nicht betrachtet hab... da hab ich noch was dran zu knabbern, weil ich auch sicher sein will, dass ich dich richtig verstanden hab, um es mir auch richtig ansehen zu können und mir zu merken.
Du scheinst so vieles so klar zu sehen - das war doch nicht schon immer so, oder? Wann kam bei dir der Punkt, wo sich das Blatt gewendet hat und wie-also radikales Umdenken von jetzt auf gleich oder Stück für Stück? (ebenfalls indeskrete Frage, die du natürlich auch ignorieren darfst!)
Für heute jedenfalls, ganz lieben Dank, du Süße, für diese Zeilen. Ich werde jetzt ins Bett gehen, mein Chaos umrunden und mir die andere Seite ansehen.
Ich wünsche dir eine gute Nacht und angehme Träume und ein weiches Kissen, auf dem Kopf und Synapsen sich erholen können :-) (Was hast du mit denen angestellt, dass die so fertig sind? Waren sie eben drüben auch schon hab ich gesehen...)
Liebe sun-ray, auch nur kurz für's erste, weil auch mein Bett so langsam ruft:
Kein einziges Wort werd ich löschen und nix geht nach hinten los, nein. Viel mehr bin ich dankbar für neuen Denkstoff, weil ichs so rum noch gar nicht betrachtet hab... da hab ich noch was dran zu knabbern, weil ich auch sicher sein will, dass ich dich richtig verstanden hab, um es mir auch richtig ansehen zu können und mir zu merken.
Du scheinst so vieles so klar zu sehen - das war doch nicht schon immer so, oder? Wann kam bei dir der Punkt, wo sich das Blatt gewendet hat und wie-also radikales Umdenken von jetzt auf gleich oder Stück für Stück? (ebenfalls indeskrete Frage, die du natürlich auch ignorieren darfst!)
Für heute jedenfalls, ganz lieben Dank, du Süße, für diese Zeilen. Ich werde jetzt ins Bett gehen, mein Chaos umrunden und mir die andere Seite ansehen.
Ich wünsche dir eine gute Nacht und angehme Träume und ein weiches Kissen, auf dem Kopf und Synapsen sich erholen können :-) (Was hast du mit denen angestellt, dass die so fertig sind? Waren sie eben drüben auch schon hab ich gesehen...)
Sun-ray - 20. Dez, 17:55
Du weißt aber schon, dass solche Fragen viele Buchstaben im Schlepptau haben? ;-)
Ich kann nicht genau sagen, wann ich anfing den pfadlosen Pfad zu gehen. So nennen die Bhuddisten diesen Weg, der ja eine Betrachtungsweise ist. Ich glaube fast, dass ich ihn schon so lange gehe, wie ich mich erinnern kann. Nicht der Pfad ändert sich, sondern immer nur das jeweilige Umfeld, weshalb Erfahrung und Wissen entsprechend zunehmen.
Als ich letzte Nacht noch das Video ansah - also das mit dem traurigen Kistenkasper - erschrak ich sehr. Derlei macht mir tiefe Angst. Und bitte entschuldige dich nicht dafür - es geht nicht um Angstvermeidung, sondern um Betrachtung und Auseinandersetzung. Ich hab den Kistenkasper sogar gruselig mit in meine Träume genommen. Mein-Kater schlief noch nie rechts neben meinem Kopf - heute Nacht tat er es. Das war wichtig, weil ich beim Schlafen sehr intensiv verarbeite. Darum war ich auch so fertig letzte Nacht - zu viele Fronten und Eindrücke bei zu wenig Schlaf. Das fühlt sich dann an, als würd ich Tonnen ungeordnetes Filmmaterial mit mir rumtragen. Klares Denken ist immer nur das Ergebnis von vorherigem Intuitievverarbeiten.
Doch zurück zu deiner Frage. Ich sprach ja schon öfter über Lebensaufgaben. Die ergeben sich aus der ganz persönlichen Konfiguration. Das, was man mitbringt, lässt Rückschlüsse auf die jeweilige Lebensherausforderung zu. Ich bringe viel Sonne mit. Sonne bedeutet Licht, Kraft, Unschuld. Solche Wesensart mag manchem beneidenswert vorkommen, weshalb man entsprechend häufig mit Neid konfrontiert wird, tatsächlich ist sie aber keine Belohnung oder Auszeichnung, sondern lediglich Rüstzeug für bestimmte Aufgabe. Sonnige Menschen werden ziemlich oft in ziemlich schattige Verhältnisse geboren. Und dort beginnt der Pfad.
Sonnige Wesen mögen vordergründig stärker sein als solche, die nicht ganz so viel Licht mitbringen, aber unverletzlich sind sie nicht. Dbzgl. werden sie häufig missverstanden. Stell dir eine mittlere Katastrophe vor, bei der die Moral der betreffenden Truppe wie Kartenhaus zusammenklappt. Beispielsweise ein Flugzeugabsturz mitten im Dschungel, bei dem wie durch ein Wunder alle überlebten. Eine Situation, in der niemand nichts Genaues weiß und das einzig wirklich Verbindende die Hoffnung jedes Einzelnen auf Rettung ist. Die Chance auf solche Rettung ist gering, vielleicht sogar fast gleich Null. Aber solange Hoffnung besteht - und genau deshalb ist sie eine so wichtige Kraft - gibt es diese Chance.
Da ist also ein bunt gemischtes Trüppchen, in dem jeder seine ureigenen Geschichten und Unverdautheiten mitbringt. Ungeachtet dieser gilt es aber aufgrund der Situation den Haufen gemeinsam zu bewegen. Die Bewegungsprobleme fangen schon bei der ersten Lagebesprechung an. Denn unweigerlich wird es welche geben, die am liebsten dortbleiben würden, weil sie sich a) nicht zutrauen, den Dschungel zu durchqueren und b) gewohnt sind, dass jemand kommt und rettet. Kostet schon mal nicht wenig Energie, diesen klar zu machen, dass niemand kommen wird, weil die Bäume viel zu dicht stehen und der Dschungel viel zu groß ist. Und selbst, wenn man es hinkriegt, werden jene nicht begeistert folgen, sondern ersten geheimen Groll mitnehmen.
Gleichermaßen schälen sich ziemlich flink die Aufgabenverteilungen heraus. Jeder übernimmt ein Ressort, das ihm liegt. Selbst die, welche jenes übernehmen, Klotz am Bein zu spielen. Sonnenmenschen sind für die Moral der Gruppe zuständig. Deshalb laufen bei ihnen viele Fäden zusammen - oftmals unsichtbare. Techniker, Ärzte, Holzfäller, Soldaten, Köche haben es da etwas leichter. Bei ihnen ist offensichtlich, wo ihr Ressoert anfängt und aufhört. Der Techniker übernimmt die Planung des Equipments, Ärzte kümmern sich um Schlangenbisse, Holzfäller um Flöße und dergleichen, Soldaten um evtl. Feinde, Köche ums Futter.
Was aber tut der Sonnenmensch? Er mischt bei allem mit, hängt seine Nase in jedes Ressort, treibt an, tröstet, schimpft, ist Clown, Seelsorger, Geschichtenerzähler und Diva gleichermaßen. Und in all dem Aggressions- und Frustfänger. Ruckzuck steht er als naiver, bzw. profilneurotischer Besserwisser da, der scheinbar nur schwätzen kann, während andere die wirkliche Arbeit machen.
Je bewusster er sich seiner Aufgabe ist, desto klarer ist ihm, dass all das Bestandteil seiner Aufgabe ist. Mögen die anderen Wach-, Koch- und sonstigen Dienst koordinieren - sein Job ist es, die Moral dahingehend zu stärken und auszurichten, dass jeder seinen Arsch so gut er kann bewegt, ohne die Gruppe mehr auszubremsen, als unumgänglich ist. Er hat so gut wie nie Feierabend, denn kaum sitzt der Trupp nach langem Wander- und Kämpftag erschöpft zusammen, kommt beim ein oder anderen das Eingemachte hoch. Und überhaupt haben Gefühle sowieso nie Feierabend. Jedes verlangt andere Antwort, damit es sich nicht gegen den Gefühlsinhaber und damit gegen die Gemeinschaft richtet. Und manches Gefühlsleben ist so verquer, dass sich der Sonnenmensch nur noch die Haare rauft.
Nochmal zurück zur Konfiguration. Ich nannte vorher Unschuld als ein Attribut. Damit meine ich nicht das übliche Verständnis, welches Unschuld mit Unbedarftheit, Nichtwissen und weißem Stöffchen gleichsetzt. Wenn ich von Unschuld spreche, meine ich damit eher vertrauensvolle Unbefangenheit, die wirklich alles, was passiert, im Licht der Sonne sieht. Auch das, was dunkel ist.
Ein Sonnenmensch ist kein Supermensch. Er hat genauso Gefühle und Verletzlichkeiten, Ups and Downs wie jeder andere auch. Manchmal sogar ausgeprägtere. Da seine Antennen für Seelenfreuden wie -nöte besonders empfänglich sind, behandelt er nicht nur, sondern nimmt authentisch an allem Anteil, was ihm begegnet. Er saugt es auf, zum einen, weil er so beschaffen ist, zum anderen, weil er weiß, dass man nur dort wirklich unterstützen kann, wo man versteht. Darum lässt er im Vertrauen darauf, dass ihm nichts wirklich schaden, ihn nur vorübergehend schwächen kann, alles durch sich durchfließen. Er ist ein Filtersystem.
Filter müssen jedoch gereinigt werden, sonst setzen sie sich zu. Menschen sind keine überschaubaren Gegenstände, darum gilt für sie noch mehr Pflegenotwendigkeit. Sie bedürfen einerseits gewisser Rückenstärkung von außen, andererseits müssen sie selbst zusehen, sich immer wieder auszuwaschen.
Nehmen wir mal einen Dschungeltag wie den gestrigen. Ausgangsposition war spürbar geschwächt: zu wenig Schlaf, zu viele banale Sorgen und fast noch mehr aktuell Unverarbeitetes. Kein guter Start. Ich erledigte das Dringendste im Wissen, dass es eigentlich nicht genug war. Und ich immer noch kein bisschen spürbar stärker. Also etwas bemüht zuversichtlich auf zum Unterricht. Gestern war letzter Tag dort - entsprechend hatte niemand etwas zu tun. Für mich ist es zumindest seelisch eine Kraftquelle, dort sinnvoll zu arbeiten. Zeit rumbringen und dabei krampfhaft den Eindruck machen müssen, man würde arbeiten, raubt dagegen Kraft. Genau so lief es aber. Ich versuchte es möglichst gelassen anzugehen, was zuletzt auch ganz gut gelang. Dazu kam der sehr überschaubare Monatsverdienst, den ich abrechnen konnte und der prompt wieder banale Sorgen auf den Plan rief. Ich glaube fest an Wunder, bin aber nicht gänzlich immun gegen Alltagsängste. Und intensives Elterngespräch gab es auch noch, in dessen Verlauf ich einer ganz rührend besorgten türkischen Mama einerseits schonend beibringen musste, dass es in punkto Rechtschreibung wenig Hoffnung gibt, ihr andererseits aber Mut und Hoffnung machen musste, weil Rechtschreibung nun mal nicht alles ist. Nicht ganz einfach, wenn man auf Denken stößt, das so ganz anders gespurt ist und nur noch Panik schiebt angesichts rotstiftverseuchter Klassenarbeiten, unter denen fett Sechs steht.
Auf dem Heimweg beschloss ich, im Lieblingscafé Halt zu machen. Wenn man sich um Geld sorgt, muss man welches ausgeben - ist ein Naturgesetz. Es war sehr voll, aber ich fand tatsächlich ein freies Sofa. Mein Essen war noch nicht da, als ein Kellner mich beflissen fragte, ob ich nicht vielleicht doch zu Nebentisch auf einen sehr niedrigen Sessel umziehen könnte - er hätte eine Reservierung vergessen. Natürlich zog ich um. Und merkte schon beim Hinsetzen schmerzhaft meinen Rücken. Seit einiger Zeit macht der mir wieder etwas Sorgen. Und wie's so ist, verstärkt die sich in geschwächten Momenten.
Statt der Lieblingsband spielte jemand ein sehr trauriges Cello. Ich blieb nicht lange, weil länger alles nur noch verschlimmert hätte. Sonst genieße ich U-Bahn. Gestern nicht. Es fühlte sich an, als würde jeder andere im Abteil noch weiter Kraft abziehen. Prompt schlief ich ein. Kommt ziemlich übel, wenn man dann wieder raus muss. Der Kreislauf hing im tiefsten Keller.
Zuhause fiel ich dann über all das, worum ich mich an dem Tag viel lieber gekümmert hätte. Und unbedingt noch kümmern wollte. Aber vorher musste ich mich noch um leidige Technik kümmern. Seit geraumer Zeit hab ich das Gefühl, auf meinem Rechner nicht allein zu sein. Nur ein Gefühl, gefunden hab ich trotz mehrer Anläufe nie was. Also mühsame Recherche im Netz, Installieren von praktischem Tool (für sowas sind eigentlich Techniker zuständig, Sonnenmenschen kostet es unglaublich Nervenkraft), Abgrasen der heimischen Hütte. Ich fand tatsächlich allerlei, u.a., dass mich jemand mit Unschönem infizierte. An einer Stelle, die darauf schließen lässt, dass es jemand war, dem ich vertraue.
Fühlt sich beschissen an, sowas. Dann stolperte ich über deine Bandscheibenassoziation bei mir. Nein - davon will ich jetzt nix hören! Das darf einfach nicht passieren. Und so kam eins zum anderen. Mein Filtersystem war schon die ganzen Tage vorher sowas von gefordert. Was völlig in Ordnung ist, aber wenn dann schleichendes Gift dazu kommt, hab ich gut zu tun, nicht in Panik auszubrechen. Ich hab sauber gemacht - wie's aussieht, gründlicher, als anderswo bekam. Das Ungeziefer lungert immer noch, weil mir beim Saubermachen ein Denkfehler unterlief. Im Moment komm ich nicht dran, kann es nur notdürftig in Schach halten. Auch nicht eben wohlfühliger Zustand.
Tja, und dann stoß ich auf jenes Kistenkaspervideo und denke nur noch: Ja, Himmel, Arsch und Zwirn - wie soll man denn durch Dschungel lotsen, wenn man Menschen erstmal klarmachen muss, dass sie Beine haben?! Selbst der Nautilus, der sein Haus überall hin mitnahm, war mobil. Wie kann man denn nur auf so durchsichtige Lüge reinfallen, dass man künstliches Wesen ist, dessen Hintern in einer Schachtel festgeklebt ist? Verstehst du, was ich meine? Da geht's um so rudimentäres Wissen wie "ich esse, ich verdaue, also bin ich".
Trotzdem floss mein Herz umgehend über. Armer kleiner Kistenkasper. So traurig fühlte ich, dass ich tränenblind das Ungeziefer entkommen ließ. Berufsblindheit. Ärgert mich im Moment ziemlich. Denn nachdem ich den Kistenkasper träumend nochmal so richtig gnadenlos aufknallen sah, weiß ich jetzt wieder, dass solche destruktiven Phantasiewesen sterben müssen, um dem Leben Platz zu machen. Wo kommen wir denn hin, wenn wir faden kleinen Maschinen Herzplätze zugestehen, die sich nach warmem Licht und Liebe sehnen?
So, und nach all diesen vielen Details zurück zum pfadlosen Pfad. Er wächst direkt aus den Füßen. Und trägt nur deshalb, weil man darauf vertraut, dass er trägt. Würde ich das nicht tun, hätten mich die Sonnenmenschpflichten schon längst runtergeschubst und unter sich begraben. Man kann ihn nicht in Gruppen bewandern, sondern nur allein. Dann führt er durch jeden Dschungel und jeden Meteoritenhagel durch. Solange man sich noch an irgendwas festklammert, beschwert man sich.
Ich hab in den letzten Tagen auch viel über Familienleben nachgedacht. Familien sind was feines, denn sie bieten Rückhalt und Gemeinschaft. Aber ich bin kein Familienmensch - jedenfalls nicht im üblichen Sinn. Mein Bild ist keine Höhle, in der ein Klan zusammenkauert und gemeinsam der Kälte trotzt, sondern ich seh Lichtstrahlen. Auf jedem ist ein Mensch unterwegs, und sämtliche Strahlen zielen auf Licht hin, in dem man sich trifft. Man sieht die anderen neben sich und weiß, dass es nur Frage der Zeit ist, bis man sie berühren und sich mit ihnen verbinden kann. Aber bis dahin geht man allein und hat keine Eile dabei. Pfadlosen Pfad gehen bedeutet nämlich, ihn sich zu erspielen. In dem Sinn, dass man einfach verzückt darüber ist, wie er aus den Füßen entsteht. Man braucht keine Sicherheitsleinen, weil Licht besser trägt als alles andere.
Und weißt du was? Wenn man die Dinge so betrachtet, fühlen sie sich einfach nur köstlich an. Ganz leicht wie perlender Sekt, der beschwingt, ohne betrunken zu machen. Sicherheitsleinen haben nämlich einen ganz großen Nachteil - an denen hängt viel dran, und man kann sich endlos in ihnen verheddern. So kommt man auf Lichtstrahlen nicht aus der Stelle. Und damit schließ ich den Bogen zum Sonnenmenschen. Er ist nichts Besonderes, sein Job besteht lediglich darin, zu zeigen, dass Strahlen tragfähig sind - für jeden. Und nie aufzuhören, darauf hinzuweisen. Wenn er doch mal fällt, ruft er: "Sanitäter - Hilfe! So geht's nicht, aber ich lebe noch - also flick mich bitte zusammen, dann weine ich ein bisschen und danach lasst uns weitergehen." Auch sowas macht Mut, weißt du. Geht gar nicht darum, alles selber zu können - andere sind genauso wichtig wie man selbst. Und alle müssen lernen, dass es keine Helden gibt, nur Menschen mit verschiedenen Aufgaben.
Ich hab übrigens neun Stunden geschlafen und lass es heute ganz gemächlich laufen. Batterien wieder aufladen und so. Kann immer nur so schnell, wie es sich gerade anbietet - mehr, besser und schneller geht nämlich nicht. :-)
Bestimmt hätt ich das alles viel kürzer beschreiben können. Aber halt nur theoretisch. Praktisch hab ich's zum Teil der Regeneration deklariert. Und danke dir ganz herzlich für die Chance dazu. :-))
Drück dich mal warm und innig, damit der Kistenkasper nicht so viel Platz für sich beanspruchen kann. ;-)
Ich kann nicht genau sagen, wann ich anfing den pfadlosen Pfad zu gehen. So nennen die Bhuddisten diesen Weg, der ja eine Betrachtungsweise ist. Ich glaube fast, dass ich ihn schon so lange gehe, wie ich mich erinnern kann. Nicht der Pfad ändert sich, sondern immer nur das jeweilige Umfeld, weshalb Erfahrung und Wissen entsprechend zunehmen.
Als ich letzte Nacht noch das Video ansah - also das mit dem traurigen Kistenkasper - erschrak ich sehr. Derlei macht mir tiefe Angst. Und bitte entschuldige dich nicht dafür - es geht nicht um Angstvermeidung, sondern um Betrachtung und Auseinandersetzung. Ich hab den Kistenkasper sogar gruselig mit in meine Träume genommen. Mein-Kater schlief noch nie rechts neben meinem Kopf - heute Nacht tat er es. Das war wichtig, weil ich beim Schlafen sehr intensiv verarbeite. Darum war ich auch so fertig letzte Nacht - zu viele Fronten und Eindrücke bei zu wenig Schlaf. Das fühlt sich dann an, als würd ich Tonnen ungeordnetes Filmmaterial mit mir rumtragen. Klares Denken ist immer nur das Ergebnis von vorherigem Intuitievverarbeiten.
Doch zurück zu deiner Frage. Ich sprach ja schon öfter über Lebensaufgaben. Die ergeben sich aus der ganz persönlichen Konfiguration. Das, was man mitbringt, lässt Rückschlüsse auf die jeweilige Lebensherausforderung zu. Ich bringe viel Sonne mit. Sonne bedeutet Licht, Kraft, Unschuld. Solche Wesensart mag manchem beneidenswert vorkommen, weshalb man entsprechend häufig mit Neid konfrontiert wird, tatsächlich ist sie aber keine Belohnung oder Auszeichnung, sondern lediglich Rüstzeug für bestimmte Aufgabe. Sonnige Menschen werden ziemlich oft in ziemlich schattige Verhältnisse geboren. Und dort beginnt der Pfad.
Sonnige Wesen mögen vordergründig stärker sein als solche, die nicht ganz so viel Licht mitbringen, aber unverletzlich sind sie nicht. Dbzgl. werden sie häufig missverstanden. Stell dir eine mittlere Katastrophe vor, bei der die Moral der betreffenden Truppe wie Kartenhaus zusammenklappt. Beispielsweise ein Flugzeugabsturz mitten im Dschungel, bei dem wie durch ein Wunder alle überlebten. Eine Situation, in der niemand nichts Genaues weiß und das einzig wirklich Verbindende die Hoffnung jedes Einzelnen auf Rettung ist. Die Chance auf solche Rettung ist gering, vielleicht sogar fast gleich Null. Aber solange Hoffnung besteht - und genau deshalb ist sie eine so wichtige Kraft - gibt es diese Chance.
Da ist also ein bunt gemischtes Trüppchen, in dem jeder seine ureigenen Geschichten und Unverdautheiten mitbringt. Ungeachtet dieser gilt es aber aufgrund der Situation den Haufen gemeinsam zu bewegen. Die Bewegungsprobleme fangen schon bei der ersten Lagebesprechung an. Denn unweigerlich wird es welche geben, die am liebsten dortbleiben würden, weil sie sich a) nicht zutrauen, den Dschungel zu durchqueren und b) gewohnt sind, dass jemand kommt und rettet. Kostet schon mal nicht wenig Energie, diesen klar zu machen, dass niemand kommen wird, weil die Bäume viel zu dicht stehen und der Dschungel viel zu groß ist. Und selbst, wenn man es hinkriegt, werden jene nicht begeistert folgen, sondern ersten geheimen Groll mitnehmen.
Gleichermaßen schälen sich ziemlich flink die Aufgabenverteilungen heraus. Jeder übernimmt ein Ressort, das ihm liegt. Selbst die, welche jenes übernehmen, Klotz am Bein zu spielen. Sonnenmenschen sind für die Moral der Gruppe zuständig. Deshalb laufen bei ihnen viele Fäden zusammen - oftmals unsichtbare. Techniker, Ärzte, Holzfäller, Soldaten, Köche haben es da etwas leichter. Bei ihnen ist offensichtlich, wo ihr Ressoert anfängt und aufhört. Der Techniker übernimmt die Planung des Equipments, Ärzte kümmern sich um Schlangenbisse, Holzfäller um Flöße und dergleichen, Soldaten um evtl. Feinde, Köche ums Futter.
Was aber tut der Sonnenmensch? Er mischt bei allem mit, hängt seine Nase in jedes Ressort, treibt an, tröstet, schimpft, ist Clown, Seelsorger, Geschichtenerzähler und Diva gleichermaßen. Und in all dem Aggressions- und Frustfänger. Ruckzuck steht er als naiver, bzw. profilneurotischer Besserwisser da, der scheinbar nur schwätzen kann, während andere die wirkliche Arbeit machen.
Je bewusster er sich seiner Aufgabe ist, desto klarer ist ihm, dass all das Bestandteil seiner Aufgabe ist. Mögen die anderen Wach-, Koch- und sonstigen Dienst koordinieren - sein Job ist es, die Moral dahingehend zu stärken und auszurichten, dass jeder seinen Arsch so gut er kann bewegt, ohne die Gruppe mehr auszubremsen, als unumgänglich ist. Er hat so gut wie nie Feierabend, denn kaum sitzt der Trupp nach langem Wander- und Kämpftag erschöpft zusammen, kommt beim ein oder anderen das Eingemachte hoch. Und überhaupt haben Gefühle sowieso nie Feierabend. Jedes verlangt andere Antwort, damit es sich nicht gegen den Gefühlsinhaber und damit gegen die Gemeinschaft richtet. Und manches Gefühlsleben ist so verquer, dass sich der Sonnenmensch nur noch die Haare rauft.
Nochmal zurück zur Konfiguration. Ich nannte vorher Unschuld als ein Attribut. Damit meine ich nicht das übliche Verständnis, welches Unschuld mit Unbedarftheit, Nichtwissen und weißem Stöffchen gleichsetzt. Wenn ich von Unschuld spreche, meine ich damit eher vertrauensvolle Unbefangenheit, die wirklich alles, was passiert, im Licht der Sonne sieht. Auch das, was dunkel ist.
Ein Sonnenmensch ist kein Supermensch. Er hat genauso Gefühle und Verletzlichkeiten, Ups and Downs wie jeder andere auch. Manchmal sogar ausgeprägtere. Da seine Antennen für Seelenfreuden wie -nöte besonders empfänglich sind, behandelt er nicht nur, sondern nimmt authentisch an allem Anteil, was ihm begegnet. Er saugt es auf, zum einen, weil er so beschaffen ist, zum anderen, weil er weiß, dass man nur dort wirklich unterstützen kann, wo man versteht. Darum lässt er im Vertrauen darauf, dass ihm nichts wirklich schaden, ihn nur vorübergehend schwächen kann, alles durch sich durchfließen. Er ist ein Filtersystem.
Filter müssen jedoch gereinigt werden, sonst setzen sie sich zu. Menschen sind keine überschaubaren Gegenstände, darum gilt für sie noch mehr Pflegenotwendigkeit. Sie bedürfen einerseits gewisser Rückenstärkung von außen, andererseits müssen sie selbst zusehen, sich immer wieder auszuwaschen.
Nehmen wir mal einen Dschungeltag wie den gestrigen. Ausgangsposition war spürbar geschwächt: zu wenig Schlaf, zu viele banale Sorgen und fast noch mehr aktuell Unverarbeitetes. Kein guter Start. Ich erledigte das Dringendste im Wissen, dass es eigentlich nicht genug war. Und ich immer noch kein bisschen spürbar stärker. Also etwas bemüht zuversichtlich auf zum Unterricht. Gestern war letzter Tag dort - entsprechend hatte niemand etwas zu tun. Für mich ist es zumindest seelisch eine Kraftquelle, dort sinnvoll zu arbeiten. Zeit rumbringen und dabei krampfhaft den Eindruck machen müssen, man würde arbeiten, raubt dagegen Kraft. Genau so lief es aber. Ich versuchte es möglichst gelassen anzugehen, was zuletzt auch ganz gut gelang. Dazu kam der sehr überschaubare Monatsverdienst, den ich abrechnen konnte und der prompt wieder banale Sorgen auf den Plan rief. Ich glaube fest an Wunder, bin aber nicht gänzlich immun gegen Alltagsängste. Und intensives Elterngespräch gab es auch noch, in dessen Verlauf ich einer ganz rührend besorgten türkischen Mama einerseits schonend beibringen musste, dass es in punkto Rechtschreibung wenig Hoffnung gibt, ihr andererseits aber Mut und Hoffnung machen musste, weil Rechtschreibung nun mal nicht alles ist. Nicht ganz einfach, wenn man auf Denken stößt, das so ganz anders gespurt ist und nur noch Panik schiebt angesichts rotstiftverseuchter Klassenarbeiten, unter denen fett Sechs steht.
Auf dem Heimweg beschloss ich, im Lieblingscafé Halt zu machen. Wenn man sich um Geld sorgt, muss man welches ausgeben - ist ein Naturgesetz. Es war sehr voll, aber ich fand tatsächlich ein freies Sofa. Mein Essen war noch nicht da, als ein Kellner mich beflissen fragte, ob ich nicht vielleicht doch zu Nebentisch auf einen sehr niedrigen Sessel umziehen könnte - er hätte eine Reservierung vergessen. Natürlich zog ich um. Und merkte schon beim Hinsetzen schmerzhaft meinen Rücken. Seit einiger Zeit macht der mir wieder etwas Sorgen. Und wie's so ist, verstärkt die sich in geschwächten Momenten.
Statt der Lieblingsband spielte jemand ein sehr trauriges Cello. Ich blieb nicht lange, weil länger alles nur noch verschlimmert hätte. Sonst genieße ich U-Bahn. Gestern nicht. Es fühlte sich an, als würde jeder andere im Abteil noch weiter Kraft abziehen. Prompt schlief ich ein. Kommt ziemlich übel, wenn man dann wieder raus muss. Der Kreislauf hing im tiefsten Keller.
Zuhause fiel ich dann über all das, worum ich mich an dem Tag viel lieber gekümmert hätte. Und unbedingt noch kümmern wollte. Aber vorher musste ich mich noch um leidige Technik kümmern. Seit geraumer Zeit hab ich das Gefühl, auf meinem Rechner nicht allein zu sein. Nur ein Gefühl, gefunden hab ich trotz mehrer Anläufe nie was. Also mühsame Recherche im Netz, Installieren von praktischem Tool (für sowas sind eigentlich Techniker zuständig, Sonnenmenschen kostet es unglaublich Nervenkraft), Abgrasen der heimischen Hütte. Ich fand tatsächlich allerlei, u.a., dass mich jemand mit Unschönem infizierte. An einer Stelle, die darauf schließen lässt, dass es jemand war, dem ich vertraue.
Fühlt sich beschissen an, sowas. Dann stolperte ich über deine Bandscheibenassoziation bei mir. Nein - davon will ich jetzt nix hören! Das darf einfach nicht passieren. Und so kam eins zum anderen. Mein Filtersystem war schon die ganzen Tage vorher sowas von gefordert. Was völlig in Ordnung ist, aber wenn dann schleichendes Gift dazu kommt, hab ich gut zu tun, nicht in Panik auszubrechen. Ich hab sauber gemacht - wie's aussieht, gründlicher, als anderswo bekam. Das Ungeziefer lungert immer noch, weil mir beim Saubermachen ein Denkfehler unterlief. Im Moment komm ich nicht dran, kann es nur notdürftig in Schach halten. Auch nicht eben wohlfühliger Zustand.
Tja, und dann stoß ich auf jenes Kistenkaspervideo und denke nur noch: Ja, Himmel, Arsch und Zwirn - wie soll man denn durch Dschungel lotsen, wenn man Menschen erstmal klarmachen muss, dass sie Beine haben?! Selbst der Nautilus, der sein Haus überall hin mitnahm, war mobil. Wie kann man denn nur auf so durchsichtige Lüge reinfallen, dass man künstliches Wesen ist, dessen Hintern in einer Schachtel festgeklebt ist? Verstehst du, was ich meine? Da geht's um so rudimentäres Wissen wie "ich esse, ich verdaue, also bin ich".
Trotzdem floss mein Herz umgehend über. Armer kleiner Kistenkasper. So traurig fühlte ich, dass ich tränenblind das Ungeziefer entkommen ließ. Berufsblindheit. Ärgert mich im Moment ziemlich. Denn nachdem ich den Kistenkasper träumend nochmal so richtig gnadenlos aufknallen sah, weiß ich jetzt wieder, dass solche destruktiven Phantasiewesen sterben müssen, um dem Leben Platz zu machen. Wo kommen wir denn hin, wenn wir faden kleinen Maschinen Herzplätze zugestehen, die sich nach warmem Licht und Liebe sehnen?
So, und nach all diesen vielen Details zurück zum pfadlosen Pfad. Er wächst direkt aus den Füßen. Und trägt nur deshalb, weil man darauf vertraut, dass er trägt. Würde ich das nicht tun, hätten mich die Sonnenmenschpflichten schon längst runtergeschubst und unter sich begraben. Man kann ihn nicht in Gruppen bewandern, sondern nur allein. Dann führt er durch jeden Dschungel und jeden Meteoritenhagel durch. Solange man sich noch an irgendwas festklammert, beschwert man sich.
Ich hab in den letzten Tagen auch viel über Familienleben nachgedacht. Familien sind was feines, denn sie bieten Rückhalt und Gemeinschaft. Aber ich bin kein Familienmensch - jedenfalls nicht im üblichen Sinn. Mein Bild ist keine Höhle, in der ein Klan zusammenkauert und gemeinsam der Kälte trotzt, sondern ich seh Lichtstrahlen. Auf jedem ist ein Mensch unterwegs, und sämtliche Strahlen zielen auf Licht hin, in dem man sich trifft. Man sieht die anderen neben sich und weiß, dass es nur Frage der Zeit ist, bis man sie berühren und sich mit ihnen verbinden kann. Aber bis dahin geht man allein und hat keine Eile dabei. Pfadlosen Pfad gehen bedeutet nämlich, ihn sich zu erspielen. In dem Sinn, dass man einfach verzückt darüber ist, wie er aus den Füßen entsteht. Man braucht keine Sicherheitsleinen, weil Licht besser trägt als alles andere.
Und weißt du was? Wenn man die Dinge so betrachtet, fühlen sie sich einfach nur köstlich an. Ganz leicht wie perlender Sekt, der beschwingt, ohne betrunken zu machen. Sicherheitsleinen haben nämlich einen ganz großen Nachteil - an denen hängt viel dran, und man kann sich endlos in ihnen verheddern. So kommt man auf Lichtstrahlen nicht aus der Stelle. Und damit schließ ich den Bogen zum Sonnenmenschen. Er ist nichts Besonderes, sein Job besteht lediglich darin, zu zeigen, dass Strahlen tragfähig sind - für jeden. Und nie aufzuhören, darauf hinzuweisen. Wenn er doch mal fällt, ruft er: "Sanitäter - Hilfe! So geht's nicht, aber ich lebe noch - also flick mich bitte zusammen, dann weine ich ein bisschen und danach lasst uns weitergehen." Auch sowas macht Mut, weißt du. Geht gar nicht darum, alles selber zu können - andere sind genauso wichtig wie man selbst. Und alle müssen lernen, dass es keine Helden gibt, nur Menschen mit verschiedenen Aufgaben.
Ich hab übrigens neun Stunden geschlafen und lass es heute ganz gemächlich laufen. Batterien wieder aufladen und so. Kann immer nur so schnell, wie es sich gerade anbietet - mehr, besser und schneller geht nämlich nicht. :-)
Bestimmt hätt ich das alles viel kürzer beschreiben können. Aber halt nur theoretisch. Praktisch hab ich's zum Teil der Regeneration deklariert. Und danke dir ganz herzlich für die Chance dazu. :-))
Drück dich mal warm und innig, damit der Kistenkasper nicht so viel Platz für sich beanspruchen kann. ;-)
Sadiie - 21. Dez, 01:54
Liebe sun-ray,
ich habe deine Zeilen (die über Hoffnung) mindestens fünf mal gelesen. Hat dir mal jemand gesagt, dass du eine wundervolle Art hast, Dinge, die so verwirrend scheinen, zu erklären? Bestimmt. Aber lass es mich dir auch noch mal sagen :-)
Trotzdem gelingt es mir bisher nur zum Teil zu verstehen, was es mit dieser Hoffnung auf sich hat. Irgendwo hakts in meinem Kopf noch...
Also: Hoffen ist nicht nur in Ordnung, Hoffen ist auch wichtig, weil wenn ich nicht mehr hoffe, dann steh ich still und habe nicht wirklich mehr Anlass weiter zu gehen...
Und wenn ich nun insgeheim auf ein Wunder in der Anuschka-Geschichte hoffe, dann ist das gar nicht verkehrt, auch wenn es sein kann, dass ich da auf das falsche hoffe, weil es einfach zu spät ist um noch irgendwas ändern zu können und sich alles schon im Endstadium befindet. Sollte es dann so sein, dass ich tatsächlich auf das Falsche gehofft habe und alles endgültig in die Brüche geht, dann soll ich daraus lernen und die Erfahrungen, die ich gemacht habe, mitnehmen in die Zukunft, weil sie mich ein Stückchen mehr reifen lassen... richtig?
Und weiter soll mir das Anlass geben, meine Erwartungen und Vorstellungen an Leben und Lieben einmal genauer anzusehen... und feststellen, dass es eigentlich kein Drama ist, wenn das jetzt nicht passte zwischen ihr und mir... weil wir uns einfach unterschieden?! Und es geht nicht um Schuld, weil die in Wirklichkeit keiner hat... Sie sah durch ihre Augen und ich durch meine und was wir sahen, war etwas verschiedenes?! Dann gäbe es die Möglichkeit, sich irgendwo dort zu treffen, wo sich unsere Erwartungen und Vorstellungen überschneiden, oder seine Zelte abzureißen und woanders jemanden zu treffen, der das mit einem eher teilt... = nach vorne blicken?!
Wobei... da ich sie -trotz allem, was kaputt ist- noch immer irgendwie sehr lieb habe, sollte ich wohl erst versuchen, noch mal auf soe zuzugehen, also der Hoffnung folgen. Dann wird sich rausstellen, ob ich auf das falsche oder das richtige hoffte, und kann dann immer noch nach vorne blicken und gehen. Und sollte sich die Hoffnung erfüllen, dann sollte ich trotzdem ebenfalls etwas daraus gelernt haben, was alles passiert ist...
"Ich hab dich lieb, darum höre ich auf zu hoffen" klingt jetzt sogar in meinen Ohren sehr seltam und unlogisch...
Aber - was hat es mit dem Hebelpunkt auf sich? Das hab ich noch nicht ganz verstanden...
Vielleicht den Rest ja auch nicht. Vielleicht liest du das hier gleich und schlägst die Hände über dem Kopf zusammen und denkst dir "Oh nein, was hat sie sich denn da zusammengezimmert, das hab ich doch ganz anders gemeint!"
Joi, mir schwirrt der Kopf, darum gönne ich dem eine kurze Pause, bevor ich etwas zu Brieflein Nummer zwei sage ;-)
ich habe deine Zeilen (die über Hoffnung) mindestens fünf mal gelesen. Hat dir mal jemand gesagt, dass du eine wundervolle Art hast, Dinge, die so verwirrend scheinen, zu erklären? Bestimmt. Aber lass es mich dir auch noch mal sagen :-)
Trotzdem gelingt es mir bisher nur zum Teil zu verstehen, was es mit dieser Hoffnung auf sich hat. Irgendwo hakts in meinem Kopf noch...
Also: Hoffen ist nicht nur in Ordnung, Hoffen ist auch wichtig, weil wenn ich nicht mehr hoffe, dann steh ich still und habe nicht wirklich mehr Anlass weiter zu gehen...
Und wenn ich nun insgeheim auf ein Wunder in der Anuschka-Geschichte hoffe, dann ist das gar nicht verkehrt, auch wenn es sein kann, dass ich da auf das falsche hoffe, weil es einfach zu spät ist um noch irgendwas ändern zu können und sich alles schon im Endstadium befindet. Sollte es dann so sein, dass ich tatsächlich auf das Falsche gehofft habe und alles endgültig in die Brüche geht, dann soll ich daraus lernen und die Erfahrungen, die ich gemacht habe, mitnehmen in die Zukunft, weil sie mich ein Stückchen mehr reifen lassen... richtig?
Und weiter soll mir das Anlass geben, meine Erwartungen und Vorstellungen an Leben und Lieben einmal genauer anzusehen... und feststellen, dass es eigentlich kein Drama ist, wenn das jetzt nicht passte zwischen ihr und mir... weil wir uns einfach unterschieden?! Und es geht nicht um Schuld, weil die in Wirklichkeit keiner hat... Sie sah durch ihre Augen und ich durch meine und was wir sahen, war etwas verschiedenes?! Dann gäbe es die Möglichkeit, sich irgendwo dort zu treffen, wo sich unsere Erwartungen und Vorstellungen überschneiden, oder seine Zelte abzureißen und woanders jemanden zu treffen, der das mit einem eher teilt... = nach vorne blicken?!
Wobei... da ich sie -trotz allem, was kaputt ist- noch immer irgendwie sehr lieb habe, sollte ich wohl erst versuchen, noch mal auf soe zuzugehen, also der Hoffnung folgen. Dann wird sich rausstellen, ob ich auf das falsche oder das richtige hoffte, und kann dann immer noch nach vorne blicken und gehen. Und sollte sich die Hoffnung erfüllen, dann sollte ich trotzdem ebenfalls etwas daraus gelernt haben, was alles passiert ist...
"Ich hab dich lieb, darum höre ich auf zu hoffen" klingt jetzt sogar in meinen Ohren sehr seltam und unlogisch...
Aber - was hat es mit dem Hebelpunkt auf sich? Das hab ich noch nicht ganz verstanden...
Vielleicht den Rest ja auch nicht. Vielleicht liest du das hier gleich und schlägst die Hände über dem Kopf zusammen und denkst dir "Oh nein, was hat sie sich denn da zusammengezimmert, das hab ich doch ganz anders gemeint!"
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