Sooo, das war mein erster Flugversuch in freier Wildbahn fernab von Rechner und Simulator.
Ergebnis: Ein Lama ohne Schwanz :D (und ohne Hut sowieso *zwinker*)
Wenn man Scheiße gebaut hat, dann sollte man soviel Arsch in der Hose haben, dass man dazu steht und sich enschuldigt.
Ich habe beides eben getan.
Ganz großes Kino.
Es war kein leichter Schritt, aber ich war es jemandem schuldig, ihn zu gehen.
Davon ab hätte ich mir im Spiegel nicht mehr in die Augen schauen können, wenn ich den Schritt nicht gemacht hätte.
In den letzten 48 Stunden bin ich sehr in mich gegangen und habe mein Inneres beackert. Anstrengend war es und ist es noch, aber zumindest mit diesem einen Kapitel, dass mir seit über einem Jahr auf dem Herzen lag, kann ich nun mit ruhigem Gewissen abschließen.
Schmerz gehört dazu. Tränen auch. Aber der Schmerz, den ich gerade fühle, ist jener, der vorwärtskommen erahnen lässt. Es ist mehr Melancholie als wirklicher Schmerz, glaube ich. Genau so, wie die Tränen, die ich gerade weine, sind jene, die befreien und die Traurigkeit fortspülen.
Und wenn mir morgen ein Dachziegel auf den Kopf fallen und mein Lichtlein aushauchen würde, wüsste ich, dass ich mit reinem Gewissen ginge und täte es lächelnd.
Es ist weiß Gott kein Geheimnis, dass nichts im Leben allzu lange Bestand hat.
Merkwürdig nur, dass man das a) immer wieder vergisst, obwohl man es nur zu gut weiß, und b) genau so wie alles andere verkehrt herum zu laufen scheint.
Während die Doofs gefühlte Ewigkeiten andauern und trotz Endlichkeit nie vorbei zu gehen scheinen, sind die Juhus schneller vorbei, als man gucken kann.
Und während einen jene (obwohl bewusste und längst bekannte) Erkenntnis der nicht existierenden Unendlichkeit bei den Doofs immer wieder in freudige Überraschung versetzt, genau so haut sie einen bei den plötzlich und viel zu schnell endenden Juhus aus den Schuhen.
Ich verstehe einfach nicht, warum das so ist.
Warum man dieses unvermeidlich wiederkehrende am Ende eines Juhus nicht einfach verbuchen kann unter "ach ja klar, ist schon wieder so weit. auf ein neues, es geht weiter."
Ich kriegs einfach nicht in meinem Kopf und das obwohl ich eigentlich alles andere als blöd bin.
Es tauchen immer mehr Fragen auf, aber im Vergleich dazu steigt die Zahl der Antworten nicht wirklich und ist gleichbleibend weitgehend Null.
Suche ich zu sehr nach Antworten? Aber was macht man denn sonst, mit Fragen, wenn nicht beantworten oder sich auf der Suche nach Antworten zu machen?
"Frage, Rechnung, Antwort" - habe ich schon in der Grundschule in Mathe gelernt, als die ersten Textaufgaben auftauchten.
Alles hübsch der Reihe nach. Mit Doppelpunkt und sorgfältig ausklamüsert und notiert.
Leider bringen mich meine Fähigkeiten was Textaufgaben angeht, die man mir damals in der Grundschule begann einzutrichtern, nicht wirklich weiter.
Ich weiß zwar, wie viele Äpfel die Erna noch in der Tasche hat, nachdem sie Peter, Franz und Brigitte soundsoviele geschenkt hat und dann noch 2 selber verputzt, aber ... joa und weiter?
Davon ab hätte mich auch mal interessiert, woher die Erna diesen riesen Berg Äpfel eigentlich hatte. Hat sie die geschenkt bekommen oder vielleicht gar aus Nachbars Garten stibitzt? Und wenn letzteres, was würde sie von ihren Eltern zu hören bekommen, wenn das mal rauskäme? Aber selbst dann... wäre es nicht nobel von der Erna, dass sie nicht alle Äpfel behalten hat sondern ihren Freunden auch noch welche gab?
Aber wer weiß, vielleicht waren das auch gar nicht ihre Freunde und die Erna wurde von einer gemeinen 3er-Bande auf dem Schulhof erpresst, die ihr sagte "geh und hol uns äpfel sonst verhauen wir dich!"
Dann sähe schon wieder alles anders aus.
Aber vielleicht war das gar keine 3er-Bande, die gemeingefährlich ist, sondern Geschwister aus einer fürchterlich armen Familie, die einfach Hunger ohne Ende hatten und die Erna mit ihren zig Kilo Äpfeln sahen und aus der Not heraus drohten, wenn sie keine abbekämen, dann....
Schwupps, und so kommt man sowohl bei den großen Fragen wie aauch bei den kleinen wie mit der Erna-Mathe-Aufgabe von einem zum andern und weiß plötzlich gar nicht mehr, wo vorne und hinten ist...
Ich wünschte, dieser verteufelte Kopf hätte einen Ausknopf oder würde hin und wieder automatisch auf Standby schalten...
Manchmal verändern sich die Begebenheiten und Gewohnheiten schneller, als man in der Lage ist, mitzugehen.
Die Kunst ist es dann trotzdem zu versuchen und zu schaffen.
Offen zu sein für das, was kommt. Zumachen bringt gar nichts. Man kann ja eh nichts dran ändern.
Ich habe große Angst, aber ich gebe mein Bestes, mitzuwachsen.
Feuchte Augen sind dabei hoffentlich trotzdem erlaubt.
Heute musste ich an Claudine denken. An Claudine und Schnucki und Fröschchen... und an das letzte Rauchopfer in der Klinik, weil Fröschchen plötzlich unterwegs war. Es war kein letztes Rauchopfer, aber es sollte eigentlich eines sein.
Ich weiß nicht, warum mich dieser Gedanke so überrannte - eine Schwangerschaft in der Münsterschen...
Ich dachte daran, dass ich Claudine lange nicht mehr gesehen oder gesprochen habe. Ich glaube, 2 Jahre nicht. Und ich dachte daran, ob ich nicht vielleicht einfach mal anrufen sollte, falls ich die Nummer habe, die es nach dem Umzug gab.
Meine Gedanken gingen weiter. Ich hörte die Stimme eines mir sehr lieb gewordenen Menschen in meinem Kopf.
Sie sagte "Vorwärts sehen. Lichtwärts gehen."
Fast nichts, was man mir mit auf den Weg gibt, geht spurlos an mir vorbei.
Aber das warf plötzlich auch Fragen auf.
Ist es denn falsch, wenn man manchmal zurücksieht? Wenn man sich erinnert und vielleicht etwas wieder aufleben lässt, was vorübergehend eingeschlafen war? So wie z.B. der Kontakt per IM mit L. heute?
Ich meine, woher weiß ich, wann etwas so sehr vergangen ist, dass es nicht mehr gut ist, zurückzublicken?
Und eine weitere Frage drängt sich dazwischen. Wenn ich die Sehnsucht himmelwärts schicke, tue ich das in der Hoffnung, dass sich da oben jemand oder etwas ihrer annimmt und vielleicht erfüllt? Oder tue ich das, weil sie wie ein Luftballon fortschweben soll und immer kleiner wird?
Ich denke nach; sehr viel nach. Und ich glaube, das sind seit einigen Tagen die konstruktivsten Gedanken, die mein Kopf in sich sich hatte.
Ich komme nur auf keinen grünen Zweig, finde nicht so recht die Antwort, die ich suche.
Vielleicht sollte ich noch einmal fragen... den Menschen, dem die Stimme gehört.
Nun wäre beinahe dieses riesen Glücksgefühl untergegangen, dass ich erleben durfte, bevor die Welt zusammenkrachte.
Ich halte es für erwähnenswert. Grade weil es nach allem heute noch mehr strahlt.
Und weil ich mich nicht vergessen lassen möchte, dass es da war.
Nach meinem Termin beim Amt, der auch schon nicht so dolle verlief, hab ich die Ponylady angerufen. Sie war schon am Stall. Gerade angekommen. "Spring in dein Auto, komm vorbei, lohnt sich noch..."
Und schon war ich unterwegs.
Mirabeau, frisch eingerenkt und so weiter, sollte heute das erste mal wieder die Ponylady ein Stück tragen.
Und so stiefelten wir los. Die Ponylady auf dem Flöhchen, eine Miteinstallerin mit Krone am Strick, zwei Hunde und ich.
Auf dem Rückweg saß die Ponylady ab. "Gib mir deine Tasche und rauf mit dir aufs Pferd!!" Und ich kam noch nicht mal dazu, "ja aber" zu sagen. Ich hatte keinen Zeit für Protest. Keine Zeit, daran zu denken, dass ich doch eigentlich immer noch Angst habe, wegen meinem Unfall damals.
Ehe ich mich versah, saß ich oben.
Die ersten Meter wusste ich gar nicht, wie mir geschah - und danach war ich einfach nur noch glücklich.
Guter Plan, mich einfach zu überrumpeln, liebe Ponylady. "Wenn ich damit schon vorher gekommen wäre, hättest du 1000 Gründe gefunden, nicht aufzusteigen, also kam mir eben die Idee, den Überraschungsmoment auszunutzen, so dass du gar keine Zeit hast, nachzudenken und zu protestieren..."
Ja, meistens lernt man in kaltem Wasser schneller und besser schwimmen...
Viel zu schnell erreichten wir den Hof, viel zu schnell stand ich wieder neben Floh, aber umso länger dauerte es, bis ich wieder ganz in der Welt war.
"Out of order" witzelten wir über mich, und "wenn die Ohren nicht im Weg wären, könnte ich im Kreis grinsen"
In diesem Moment hätte ich die Welt umarmen mögen. Alles war so gut, alles war so richtig. Dass eine Stunde später alles in sich zusammenfallen würde, wusste ich da noch nicht.
Liebe Ponylady, als ich 8 Jahre alt war, hast du mir deinen Injah geschenkt. Mein eigenes Pony. Unvorstellbar viel!
Und nachdem wir uns 17 Jahre nicht gesehen haben, haben du und Flöhchen mir heute noch viel mehr gegeben. Ein Stück meines alten Lebens...
Es gibt noch keine Worte, um das zu beschreiben, was in mir ist.
Ich bin so voll.
Ich bin so leer.
Irgendetwas frisst mich auf.
Irgendetwas liegt schwer auf mir und erdrückt mich.
Eigentlich hat mich das gestern Nacht schon erwischt. Ich war auf dem Heimweg und zuckelte die 224 entlang, da machte es *paaaaammms* und irgendwas hatte mir Beinchen gestellt, mich zu Fall gebracht und mir eins mit dem Hammer übergezogen.
Ich wusste gar nicht, wo das Problem liegt, bzw. ich wusste gar nicht, dass überhaupt irgendwo eines liegt. Tjoa, aber offentsichtlich lag da eins...
Getreu dem Motto "neuer Tag, neues Glück" beendete ich den alten Tag, um frisch und munter in den neuen zu starten. Naja, so war es zumindest gedacht.
Erstmal hab ich nämlich voll verschlafen und war alles, aber nicht munter und ausgeruht.
Was solls... neues Glück kann ja auch mal bissl verspätet auftauchen... dachte ich und startete wie gewohnt in den Tag.
Das Glück kam dann ja auch - aber ich glaube, das war defekt. Irgendwie hatte es einen Wackelkontakt, denn alle paar Stunden brach ich dann mal kurz heulend zusammen. Und dann plötzlich *pling* Glück wieder an. Und *pling* Glück wieder aus. Und an und aus...
Garantie ist leider nicht drauf. Was man hat, das hat man, so oder so.
So, nu stehe ich also vor einem riesigen Knäuel aus irgendwas undefinierbarem, dass da irgendwo im argen liegt und hab keine Ahnung, wo ich anfangen soll, zu sortieren.
Wie auch. Ich weiß ja nicht mal, woraus es besteht.
Ich bin schon soweit, dass ich weiß, dass es nicht ein großes Knäuel ist, sondern viele kleine, die sich lustig verknotet haben um mir einen Streich zu spielen.
Klar, man muss ja was zu tun haben. Nur Außenarbeit bringts nicht - Innenarbeit rulez.
Aber es gibt nichts, was sich nicht entknäueln lässt - und wenn ich das Ding mit einer Schere massakrieren muss.
Irgendwann heute hab ich innegehalten. Ich glaube, dass war nach meinem Besuch mit Brudi (welch Goldstück meiner Kleiner doch ist) bei McDonald's war. Oder währenddessen, als er unser Futter holte, aber das tut ja auch eigentlich nichts zur Sache. Jedenfalls hab ich mir da gedacht "bleib mal stehen, dreh dich mal um und siehe und staune". Und ich blieb stehen, drehte mich um und sah und staunte.
Eigentlich nämlich ganz einfach. Während ich noch vor einigen Jahren erst den Umgang mit Knäueln lernen musste und vor Schreck meist in Ohnmacht fiel, wenn eines auftauchte, habe ich heute doch ein bisschen mehr Ruhe dabei.
"Oh ein Knäuel - ja wo kommst du denn her? na was bist du denn für eineshm? Zeig mal. tjoa, Knäuel, ich und du, da sid wir nu, was fangen wir zwei Hübschen denn miteinander mal an? welche Überraschungen und Erkenntnisse hälst du denn für mich bereit, hm? Zeig doch mal, lass dich mal anschauen." Najaaa, diese Ruhe ist nicht die Regel, aber immer mal wieder lässt sie sich sehen.
Und im Grunde genommen ist es doch wirklichwirklichwirklich einfach. Ein Knäuel ist nicht nur schlimm und ein mittelschwerer Weltuntergang.
Man muss nur mal hinschauen. Wieviel man lernen kann, über sich, über die andren, über das Leben, über die Welt.
Ohne Fleiß kein Preis, hat meine Oma schon immer gesagt.
Das, was das Knäuel mir schon über mich gezeigt hat heute, hat noch keine Worte, die es beschreiben könnten. Aber im abstrakten Denken, weiß ich was Teile davon sind.
Was mir aber auch klar geworden ist: Das Teil hat nicht oberste Priorität.
Es ist in Ordnung, sich ihm immer mal wieder zu widmen, in einer ruhigen Minute oder wenn es unkontrolliert über mich drüber rollen will, aber ansonsten ist es nur ein Knäuel, das nicht zu einem vorgeschriebenem Termin entwirrt und sortiert sein muss.
Und just in diesem Moment hat sich von ganz allein ein weiterer Knoten gelöst.
Ich fühl mich, als würd ich beim Meditieren gerade das Schweben anfangen. Es gibt alles Sinn :)
In diesem Sinne ein entspanntes Gute-Nacht-Welt von einer Sadie, die einen Schritt näher an der Erleuchtung ist *griiiins*
.*grmpf* Habsch Näschen voll von Stimmungskram. Obenuntenvornehintenrechtslinksmitteganzwoandersundüberalldazwischen
Zeit für einen Selbstversuch!
Alles gut bis kurz vor Mittagspause, wo dann ohne Grund die Welt zusammenkrachte. Nu is sie wieder heile und strahlt einigermaßen. Also bitte, wer soll da bitte hinterherkommen?!
Wenn man mich alle halbe Stunde fragen würde "Naaaaa Sadie, wie is die Lage" dann antworte ich alle halbe Stunde was andres.
Ende, aus Micky Maus, nu werden andre Saiten aufgezogen!
Wär ja wohl gelacht!!!
Ich muss grad über mich selber lachen *kicher* Und prompt fällt mir ein:
"Kommt'n Pferd zum Arzt..............." *umfall*
Es ist nicht alles Gold was glänzt...
Das entdeckt man früher oder später meistens.
Man hält etwas in den Händen und kratzt ein bisschen an der Oberfläche. Mal bewusst, mal unbewusst...
Oder die Oberfläche nutzt sich im Laufe der Zeit von allein ab.
Was dann zum Vorschein kommt, ist immer eine Überraschung. Entweder ist es noch viel wertvoller als Gold... oder man stellt fest, dass man pseudogoldenen Müll in der Hand hält...
Anfangs glänzt so vieles.
Schade, dass nichts für ewig ist...
Warum zum Teufel muss ich auch immer kratzen?! Wo doch Illusionen so was Feines sein können...
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Zuletzt aktualisiert: 18. Mai, 23:26
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